8. Hoffnung

Morgana hatte die Tür wütend hinter sich zugeknallt und Elle war wieder in sich zusammen gesunken. Jetzt, wo die Zauberin fort war, kamen Elle die Tränen. Sie konnte sie nicht mehr an sich halten. Wie konnte ihr diese Hexe nur unterstellen, dass ihr die Kinder egal gewesen wären. Alles in ihr zog sich zusammen, als sie nur an sie dachte. Wie sie gekämpft hatten - und doch war alles umsonst gewesen… Nicht nur, dass sie den Kampf verloren und dabei ihr Leben gelassen hatten, nein, sie hatten der Hexe auch noch ihre Macht übergeben. Als Elle mitbekommen hatte, dass diese Morgana sie angriff, um sich ihre Macht anzueignen, hatte sie noch versucht, ihren Schützlingen eine Warnung zukommen zu lassen, aber es war umsonst gewesen. Vollkommen sinnlos… Sie hatten ihr Bestes gegeben, doch alles was dabei “herausgekommen” war, war der Tod ihrer Schützlinge gewesen.. Raven, Tara, Jade, Shannon… Nun war es mit Elles Selbstbeherrschung völlig vorbei. Sie fing laut an zu schluchzen. Die Tränen rannen ihr über die Wangen, doch sie konnte sie nicht fortwischen, da ihre Hände gefesselt waren. Doch im Grunde war es ihr auch egal. Sie hatte lange genug ihren ganzen Schmerz und ihre Gefühle versteckt. Vor der Hexe wollte sie sich nicht offenbaren. Doch jetzt.. Im Grunde war es doch auch egal..

Während sie mehr oder weniger lautlos weinte und schluchzte, und ihrem Schmerz Ausdruck verlieh, wurde ihr plötzlich bewusst, dass ein Gefühl in ihr wuchs, das sie zuerst nicht wirklich realisierte. Doch dann begann sie, näher darauf einzugehen. Sie wusste zuerst nicht, woher das Gefühl kam, und was es bedeuten sollte, aber sie ahnte, dass es wichtig war! Dann begann sie, sich langsam ins Gedächtnis zu rufen, woran sie in den letzten Minuten gedacht hatte. Es waren die Kinder gewesen. Der Tod ihrer Schützlinge. Ihr Herz zog sich immer noch zusammen, und erneut kamen ihr die Tränen. Doch sie musste sich zwingen, weiter daran zu denken. Irgend etwas war wichtig daran! Auch, wenn der Schmerz sie beinahe umbrachte, sie musste sich zwingen es weiter zu führen; das Thema war wichtig! Doch warum? Dann begann sie, erneut an jeden einzelnen ihrer Schützlinge zu denken:

Raven, der so gerne mit dem Feuer gespielt hatte, er war ein Heißsporn gewesen und sie hatte vor allem zu Beginn ihre Mühe mit ihm gehabt. Trotz ihrer Trauer musste sie lächeln.
Dann kam Shannon in ihr Gedächtnis. Das Mädchen war so lieb gewesen; die anderen hatten sehr von ihrer Besonnenheit profitiert und gelernt. Ihr Element Erde hatte sehr gut zu ihr gepasst, denn sie war die Bodenständigste von allen gewesen. Sie war auch diejenige gewesen, die meistens zwischen den beiden anderen Mädchen - Tara und Jade - vermittelt hatte. Die beiden waren wie Feuer und Wasser zueinander und besonders am Anfang gab es da die eine oder andere Auseinandersetzung..
Daran waren vor allem ihre völlig gegensätzlichen Charaktereigenschaften “Schuld” gewesen. Tara, mit dem Element Luft, war sehr aktiv gewesen, schnell in ihren Entscheidungen und auch sehr sprunghaft… Jade, sie hatte das Element Wasser, das genaue Gegenteil. Ruhig, manchmal ein wenig zu ruhig, und auch sehr ängstlich, was Tara von allen am meisten auf die Nerven gegangen war… Ja, Shannon hatte sehr oft zwischen den beiden vermitteln und auch Streitigkeiten schlichten müssen..

Elle seufzte wieder. Während sie immer noch in Trauer an ihre Schützlinge dachte, fiel ihr plötzlich etwas auf. Sie begann erneut die Gedanken an jeden einzelnen der 4 zurück gleiten zu lassen:
Raven, Shannon, Tara, Jade…
Und plötzlich wusste sie es. Es durchzog sie wie ein Blitz! Sie fühlte eine Veränderung in sich, als sie an Jade dachte; es fühlte sich anders an, als bei den anderen. Bei den anderen drei fühlte sie Schmerz. Der Schmerz des Verlustes und sie wusste, dass sie tot waren und sie sie niemals wieder sehen würde. Doch bei Jade war das Gefühl anders. Auch sie war fort, doch sie spürte nicht das Gefühl des Verlustes wie bei den anderen drei… Es war beinahe so, als ob sie eine Hoffnung hätte, sie wieder bei sich haben zu können… Doch das wäre ja nur dann eine Möglichkeit, wenn… Sie wagte die Möglichkeit nicht einmal zu hoffen! Und doch… Langsam nahm die Wahrscheinlichkeit in ihr Gestalt an und wurde zur Hoffnung. Es musste so sein! Sie fühlte - nein, sie wusste es: Jade war nicht tot! Sie wusste nicht, was genau geschehen war, als diese Hexe auch sie angegriffen hatte. Alles, was sie noch mitbekommen hatte war, dass Jade in einen Fluss geworfen und fortgespült worden war. Da der Aufprall so furchtbar hart ausgesehen hatte, war Elle davon ausgegangen, dass es Jade nicht überlebt haben konnte, aber vielleicht hatte sie es ja doch? Außerdem, ihr Element war das Wasser gewesen und sie war in einen Fluss gefallen… Und wenn sie jemand gefunden hatte?

In Elle keimte Hoffnung auf. Wenn Jade tatsächlich überlebt hatte, dann gab es Hoffnung! Vielleicht hatte sie ja Hilfe holen können… Sie wusste zwar nicht wen, aber in Elle keimte die Hoffnung auf, dass es da draußen doch jemand gab, der ihr zu Hilfe kommen und diese Hexe vernichten würde. Sie selber konnte es nicht, denn dann würde diese sich ihre Kräfte zu Eigen machen.. Doch dann erstarb Elles Hoffnung erneut. Genau da lag das Problem. Die Zauberin war sicherlich nicht nur bei ihr in der Lage, sich ihre Zauberkräfte anzueignen, sondern auch die desjenigen, der ihr zu Hilfe eilen würde…

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Christal, 31
Traumland